{"id":579,"date":"2013-09-23T20:35:42","date_gmt":"2013-09-23T18:35:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filia-leonis.de\/?p=579"},"modified":"2013-09-23T20:35:42","modified_gmt":"2013-09-23T18:35:42","slug":"um-die-ecke-gereist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filia-leonis.de\/?p=579","title":{"rendered":"Um die Ecke gereist"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte zu Beginn meiner Reise ja die total verr\u00fcckte Idee, mich ein wenig in den Alpen herumzudr\u00fccken. Die Berge haben&#8217;s mir schon immer angetan, ich vergesse es nur leider immer wieder. Oder anders gesagt, mein Schweinehund sorgt immer wieder daf\u00fcr, da\u00df ich es vergesse. Futter gibt es f\u00fcr ihn genug:<br \/>\n&#8220;Nach S\u00fcden runter ist eh&#8217; Stau&#8221;<br \/>\noder<br \/>\n&#8220;Es regnet wahrscheinlich sowieso&#8221;<br \/>\noder<br \/>\n&#8220;Ich bin doch gar nicht fit genug f\u00fcr eine Bergwanderung&#8221;<br \/>\nUnschlagbar allerdings ist:<br \/>\n&#8220;Ich habe nichts zum Anziehen&#8221;<br \/>\nMein Schweinehund sitzt jetzt mit einem blauen Auge in der Ecke und schweigt (daran ist das bescheuerte, letzte Argument schuld), und ich sitze wiedermal mit weit aufgerissenen (auch blauen) Augen auf dem Berggipfel und schaue auf der einen Seite auf viele, viele Zeilen weiterer Gipfel, die nicht enden wollen. Auf der anderen Seite, der deutschen Seite das Allg\u00e4u. Gr\u00fcn, mit Seen, h\u00fcbsche H\u00fcgel.<br \/>\nWeiter unten, fast im Tal findet eine Bergmesse statt. Und als die Alph\u00f6rner einsetzen, habe ich wieder dieses eigenartige Gef\u00fchl des Besonderen.<br \/>\nIch mache ein Foto f\u00fcr meinen Schweinehund, und viele &#8220;Bilder&#8221; mit dem Herzen, den Ohren und meinen Lungen.<br \/>\nEin Berliner in Lederhosen und blitzsauberem, wei\u00dfen Trachtenhemd springt \u00fcber die Steine wie eine junge Gams, um die Alph\u00f6rner besser zu h\u00f6ren, und um dem schw\u00e4bischen Gequatsche der anderen Wandergruppe zu entkommen. Mit einem herzlichen &#8220;dit is mir zuviel l\u00e4rm hier&#8221; haut er einfach ab, nicht ohne eine kurze, sehr freundlche Zwiesprache mit einer Dohle zu halten, die sich ihm in den Weg stellt. Da sie kein Berlinerisch versteht, fliegt sie kreischend weg und sucht woanders Brotkrumen zum Naschen.<br \/>\nIch k\u00f6nnte ewig hier sitzen.<br \/>\nMach ich auch.<\/p>\n<p>Irgendwann abends erz\u00e4hle ich dem Sherpa, den ich in Nepal kennengelernt habe, und der in Tirol auf der Bergh\u00fctte arbeitet, da\u00df ich die Nacht vorher nicht gut geschlafen habe. &#8220;Ich hatte Herzklopfen &#8211; wegen der H\u00f6he&#8221;, sage ich zu ihm.<br \/>\nDas milde L\u00e4cheln von ihm kann ich nicht sofort deuten. Er l\u00e4chelt ja eh immer. Harmlos fragt er mich, wann ich denn in den Himalaya m\u00f6chte.<br \/>\nIch kriege einen roten Kopf. Naja.<br \/>\nDer Gute ist schlie\u00dflich in v\u00f6llig anderem Sauerstoffniveau als ich aufgewachsen, f\u00fcr den hat das Wort &#8220;H\u00f6he&#8221; eine \u00e4hnliche Bedeutung wie &#8220;Starkstrom&#8221; f\u00fcr einen, der \u00dcberlandleitungen zusammenschraubt. &#8220;Santi, Santi,&#8221; sagt er zu mir. Immer mit der Ruhe. Ich glaube, er wird die Frage nach einem Nepal-Trek mit mir mit einem &#8220;oh &#8211; \u00e4h, da habe ich bereits einen Termin&#8221; quittieren. Denn wenn er mit mir l\u00e4uft, kommen wir sch\u00e4tzungsweise nicht ann\u00e4hernd dorthin, was er mit dem Wort &#8220;H\u00f6he&#8221; verbindet. Vielleicht aber auch doch.<br \/>\nIrgendwie m\u00f6chte ich doch mal <em>noch<\/em> weiter oben sitzen und \u00fcber die Welt blicken.<br \/>\nEs macht den Kopf frei und das Herz leicht, habe ich heute gesagt.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens, Kulturschock gibt&#8217;s hier ja auch genug. Und damit ist <strong>nicht<\/strong> mein nepalesischer Freund gemeint!<br \/>\nIch habe mal gelernt, am Berg, da sagt man &#8220;Du&#8221;. Aber das scheint sich auf die bayernnahen Alpen zu beziehen. Jedoch nahe dem Allg\u00e4u, da wurde ich eigentlich grunds\u00e4tzlich mit &#8220;H\u00e4n\u00a0<em>Sie<\/em> des do hanne a scho g&#8217;s\u00e4he?&#8221; oder &#8220;waret <em>Sie<\/em>\u00a0scho \u00f6fters do hanne?&#8221; (&#8220;Do hanne&#8221; hei\u00dft &#8220;hier&#8221;) angesprochen. Auch von Leuten, die ungef\u00e4hr so alt sind, wie ich. Da lerne ich mal wieder, wie sehr sich die Schwaben von den Bayern unterscheiden.<br \/>\nWundert mich, da\u00df sie das &#8220;Kehrwoche-Schild&#8221; nicht mit hochnehmen \ud83d\ude09<br \/>\nJedenfalls, sch\u00f6n war es am &#8220;Heilbronner Hausberg&#8221; und ich freue mich schon auf&#8217;s n\u00e4chste Mal. Und es ist so einfach&#8230; einfach in&#8217;s Auto und Richtung S\u00fcdwesten.<br \/>\nKeine Transsib, kein Flugzeug, der Rucksack wiegt nix (nach neuen Ma\u00dfst\u00e4ben ;-)), und ich brauche nur Euro.<br \/>\nSch\u00f6n ist die Welt, aber daheim&#8230; das hat auch was.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte zu Beginn meiner Reise ja die total verr\u00fcckte Idee, mich ein wenig in den Alpen herumzudr\u00fccken. Die Berge haben&#8217;s mir schon immer angetan, ich vergesse es nur leider immer wieder. Oder anders gesagt, mein Schweinehund sorgt immer wieder daf\u00fcr, da\u00df ich es vergesse. 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